Geschichten über Lucy

Die Wende hat sicher so einiges verändert.

Meine Schwester zog es mit ihrer Familie in den Westen, das Gras auf der anderen Seite des Zaunes ist eh immer viel grüner und bei uns im Osten waren die Aussichten alles andere als rosig. 

Zumindest konnte man sich per Telefon miteinander austauschen.

Ihrer Einladung, sie einmal zu besuchen, kam ich gern nach.

Ihre Frage, ob ich vielleicht einem Tibetspanielmix ein neues Lebensumfeld schaffen könnte, war Motivation genug.

Ich hatte bis dahin vom Tibetspaniel nichts gehört, meine Suche nach entsprechenden Informationen brachte auch recht dürftige Ergebnisse.

Der Besuch bei meiner Schwester war super, sie erzählte uns viel, sie zeigte uns viel, und doch war ich mit meinen Gedanken ganz wo anders.

Dann endlich klingelte es an der Tür, am liebsten hätte ich wohl selbst geöffnet^^.

Hereinspaziert kam eine kleine Hundedame, durchaus selbstbewusst, die Rute freudig wedelnd. Mit ihren runden braunen Augen fixierte sie mich freundlich, selbst das leichte Aufnehmen der für sie scheinbar durchaus vorhandenen Duftnuancen meiner Dogge brachte sie nicht aus der Ruhe. Ich war hin und weg, natürlich streichelte ich diesem kleinen Geschöpf das seidige Fell, doch ich wurde etwas überraschend dabei unterbrochen.

Ein zweiter Hund erzwang sich quasi meine Aufmerksamkeit.

Klein war er auch, aber nicht ruhig und gelassen sondern voller Temperament. Viel Ähnlichkeit mit der Mutter konnte man nicht feststellen, weder im Wesen, noch im Aussehen, aber die Lebensfreude, das Temperament, das war schon einmalig.

Sie tänzelte auf 2 Beinen vor mir herum, drehte sich dabei im Kreis, als wenn sie mir sagen wollte:"Gestatten, ich bin ......."

"Schatz, das ist Lucy", erklärte ich meinem etwas überraschten Mann, um ja keine Zweifel darüber aufkommen zu lassen, dass Lucy in Zukunft zu unserer Familie gehört.

"Hallo, Lucy, ich freue mich, dich kennenzulernen", meinte er daraufhin, indem er sie auf den Arm nahm und streichelte.

Lucy hat unser Leben verändert. Ich habe Doggen, Schäferhunde, Dobermänner und später auch Kaukasische Schäferhunde, dazu natürlich auch Mischlinge kennen- und schätzengelernt.

Jeder Hund ist etwas besonderes, aber so ein kleiner Hund, der fast ständig bei einem ist, da baut man doch eine andere Beziehung auf.

Lucy wurde leider nur 4 Jahre alt. Es ist bitter, wenn weder man selbst noch die Bemühungen der Tierärzte helfen können. Man hat die Ursache nicht herausgefunden, die Frage, was man anders hätte machen können, stellte sich bei mir immer wieder.

Sicher, die vielen schönen Tage, die Erlebnisse und die Erinnerungen daran bleiben, und trotzdem ist es irgendwie ungerecht und schmerzhaft, wenn man ein Tier in diesem Alter verliert. Ich werde mich wohl nie daran gewöhnen können.