Ein Traum wird wahr

Den Verlust von Lucy zu verarbeiten, das dauerte lange.

Einerseits fehlte mir so ein kleiner Hund und der Wunsch nach einem Tibetspaniel war immer vorhanden, andererseits wollte ich so eine Situation nicht noch einmal durchmachen.

Den Tod als Bestandteil des Lebens zu betrachten, das fällt mir unheimlich schwer. Die vielen schönen Erinnerungen bewahren, das ist leicht, aber können sie den Schmerz des Verlustes aufwiegen?

Irgendwann gewann dann die Sehnsucht nach einem Tibbi die Oberhand und ich ertappte mich immer öfter dabei, wie ich diesen Wunsch, natürlich völlig unbewusst und ohne irgendwelche Hintergedanken, in unsere Gespräche einfließen ließ.

Immer häufiger griff mein Mann in der Folgezeit zum Telefon, immer wieder sagte er mir: Tut mir echt leid, aber das war es nicht.

Dabei gab es durchaus Welpen, die waren auch alle süß, aber mein Mann hatte seine  eigenen Vorstellungen, die ich nur schwer akzeptieren konnte.

"Der Funke muss überspringen, ich will einen Hund von einem Züchter, bei dem ich im Gespräch spüre, dass ihm das Wohl der Hunde am wichtigsten ist, ich will die Liebe zum Tier in der Stimme spüren, jemanden, der so ist wie wir."

Auch wenn ich diese Einstellung durchaus teilen konnte, Verständnis aufzubringen fiel mir schwer.

Der Norden Deutschlands brachte keinen Erfolg, durchaus bekannte Züchter der alten Bundesländer fielen gnadenlos durch sein Raster.

Ich wurde ungeduldig, aber er kann so unendlich stur sein.

" Wir waren noch nie in der Schweiz, oder?" Sein Blick deutete einiges an, doch ich konnte es nicht richtig deuten. "Wir müssen da aber auch nicht hin, oder?"

Ich verstand nun gar nichts mehr, was wollte er mir sagen?

"Ich habe sie endlich"

Ich verstand nur noch Bahnhof, langsam wurde ich ein wenig wütend, doch er nahm mich in den Arm und sagte: " Ich habe die Züchterin gefunden und sie hat sogar Welpen. Glaub mir, das ist sie, die redet nur über die Kleinen und da ist soviel Herzlichkeit, das ist sie."

Er erzählte mir soviel und dass es südlich von München, also ziemlich weit weg war, war ihm völlig egal. Klar, er wäre auch in die Schweiz gefahren, wenn er da das Gefühl gehabt hätte, Männer sind wohl so verrückt. Aber mir war das egal, die Hoffnung auf meinen Tibbi würde sich bald erfüllen.

Als ich dann das erste Gespräch mit Frau Daser führte, da begriff ich, was er meinte. Das war sofort die gleiche Wellenlänge, es ging nur um die Tiere und die von ihm beschriebene Herzlichkeit war greifbar.

Ich erwartete die Bilder meiner Carila immer sehnsüchtig, ich zählte die Tage, bis sie endlich 8 Wochen alt war, bereitete alles vor.

Wieder kam ein Brief von Frau Daser und ich war sehr gespannt und erfreut.

" Das willst du nicht lesen, aber ich akzeptiere das auch nicht, ich kann mich nicht so getäuscht haben"

Ich saß vor dem geöffneten Brief, er musste eine richtig unangenehme Nachricht enthalten.

Vielleicht war Carila etwas passiert, ich war neugierig, klar, aber ich wollte es irgendwie auch gar nicht wissen.

Mein Mann mit seiner ruhigen, aber bestimmten Stimme am Telefon, doch verstehen konnte ich nichts, der offene Brief vor mir auf dem Tisch. Die Zeit schien zu stehen.

Ich musste wissen, was los ist, ich las, ohne eigentlich richtig zu verstehen.

Carila ist ein so wunderbarer Hund, dass meine Tochter sich total in sie verliebt hat und gerade diesen Hund behalten möchte. Sie werden sicher Verständnis......

Ich hatte sicher kein Verständnis, das war doch schon mein Hund, mein kleiner Hund und nun?

Mein Mann stand in der Tür, eigentlich wollte ich jetzt keinen Menschen sehen.

"Ich habe mich nicht geirrt, ich habe dir gesagt, sie ist es, sie steht zu ihrem Wort, du bekommst deinen Hund"

"Was? Aber hier steht doch...."

"Frau Daser hat verstanden, dass der Hund es nirgendwo besser haben kann, als hier, dass Carila zu uns gehört und dass es wichtig und vor allem richtig ist, zu ihrem Wort zu stehen"

Einige Tage später hielt ich den Welpen auf dem Arm, sie war noch so klein, aber ich hatte sie, endlich, endlich.

Es war ein langer Weg, aber der hat sich sowas von gelohnt.

Jetzt wird Sissi (Carila von der Sonnenläng) bald 15, und ich genieße immer noch jeden Tag, wenn ich sehe, wie sie immer noch über den Hof flitzt, ihr Leckerli einfordert, Kunststücke macht.

Irgendwann wird sie uns verlassen, unvorstellbar und dann sicher auch unheimlich schwer, sie gehen zu lassen, aber sie wird dann so tiefe Spuren und so tolle Erinnerungen hinterlassen, das ist den dann aufkommenden Schmerz und die Traurigkeit sicher wert.

 

 

Sissi, Welpenjahr einer kleinen Prinzessin

Gerade in den Tagen, in denen ich jetzt die Welpen aufwachsen sehe, erinnere ich mich besonders intensiv an die ersten Monate unserer Sissi.

Sie war besonders aufgeweckt, lebenslustig, neugierig, sie lernte unheimlich schnell, und begriff, wie toll Frauchen Kunststückchen fand und wie sie das zu ihrem Vorteil ausnutzen konnte.

Der alte Opa Sherry war ihr Freund, er war auch in seinem hohen Alter noch immer sehr ruhig und ausgeglichen und ließ sich von dem kleinen Fratz eine Menge gefallen.

Ganz oben auf der Skala der Feinde eines kleinen Tibbis steht scheinbar die Haarbürste.

Glücklicherweise ist die Fellpflege bei einem Tibetspaniel fast nicht der Rede wert, trotzdem, vielleicht auch nur aus Prinzip, die Bürste wurde immer attackiert.Sissi fand die tollsten Verstecke, sie unternahm die größten Anstrengungen, um diesen aus ihrer Sicht völlig unnützen Gegenstand zu zerstören.

Wollte ich mal ein wenig Ruhe vor meinem Hundchen haben, dann genügte:

"Sissi, hast du die Bürste gesehen?" Dann war meine Kleine verschwunden^^.

Der furchteinflößende Staubsauger wurde anfangs auch heftig attackiert, bis Sissi dann schließlich entdeckte, wie wunderbar ein kleiner Hund sich auf die Bürste setzen und durch die Gegend fahren kann.

Die Erfahrungen mit unseren zahlreichen Katzen, die Sissis aufdringliche Art am Anfang noch mit stoischer Ruhe akzeptierten, bekamen einen Wendepunkt, als sich unser Spatz nach einer doch recht heftigen Aktion einige Minuten im Schwitzkasten eines Katers befand.

Obwohl der Stubentiger unserem Liebling kein Haar gekrümmt hat, es war eine sehr lehrreiche Erfahrung. Sissi beachtete seit diesem Augenblick immer, dass ihr Gegenüber auch ein Wesen ist, dessen Wünsche man zu akzeptieren hat.

Sie wurde viel freundlicher gegenüber anderen Tieren.

Im Verlauf der Jahre haben wir einige Tiere bei uns aufgenommen, Sissi war immer die Erste, die wir ohne Probleme mit dem Neuankömmling zusammenführen konnten.

Sissi genoss die wärmende Sonne, jagte den Schmetterlingen und Grashüpfern hinterher, freute sich über den hüpfenden Frosch, den sie durch ein leichtes Stupsen mit der Nase zum Hüpfen bewegen konnte.

Sie musste erkennen, dass man auch als kleiner Tibbi nicht alles haben kann. Bevor man die Schwanzfeder des stolzen Hahnes über den Hof schleppt, sollte man sich besser vergewissern, ob am anderen Ende der Hahn eventuell noch an dieser Feder hängt^^.

Auf ihren kurzen Beinchen flitzte sie, verfolgt vom empörten Hahn zwischen die Schuhe von Frauchen, gerettet.

Der Sommer verging.

Im Herbst ließ sie keine Pfütze unerforscht, das schlechte Wetter konnte ihren Forscherdrang in keiner Weise einschränken. Am Abend hatte ich dann einen kleinen black&tan, und erst nach der täglichen Dusche kam mein kleiner Goldzobel wieder zum Vorschein.

Abends kuschelte sie dann auf der Couch neben mir und wenn sie ihre wunderschönen dunkelbraunen Augen öffnete und mich anschaute, dann hatten wir beide wohl den gleichen Gedanken: Ich bin zwar müde, aber ich bin glücklich.

Im Winter jagte sie den Schneeflocken hinterher, sie wunderte sich über das seltsame Verhalten der Enten beim Gehen, um selbst die Wirkungen von Blitzeis kennenzulernen.

Der Weihnachtsbaum als Attraktion und das spaßige Herumschießen der Kugeln, das schnelle Verschwinden hinter der Couch, wenn ich dann schimpfend in die Stube kam, der unschuldige Blick, als wenn sie immer wieder sagen wollte:" Die Katze war das, Frauchen, können diese Augen lügen?"

Nunja, das können sie sicher, aber böse sein konnte ich ihr nicht.

Der erste Frühling für unsere Sissi brachte mit jedem Tag etwas Neues, unsere kleine bayrische Prinzessin war längst zu einer hart arbeitenden brandenburgischen Grundstücksbesitzerin geworden.

Sissi wurde ein Jahr alt, sie war groß geworden, unentbehrlich. Sie hatte alles, was sie zu einem schönen Leben brauchte, Sherry war zwar alt, unser Dobermann auch nicht gerade etwas zum Kuscheln.

Man kann nichts alles haben, oder etwa doch?

 

 

Manchmal wünscht man sich etwas besonders stark und man bekommt es nicht und manchmal bekommt man etwas, von dem man eigentlich erst im Nachhinein merkt, dass man es sich eigentlich hätte wünschen müssen.

Ich war zufrieden mit den bestehenden Verhältnissen, ich hatte meinen Tibbi, alles war im Lot.

Im Juni kam mein Mann von einer Dienstreise zurück. Ich bin es gewohnt, dass er nicht viel über dienstliche Angelegenheiten spricht, deshalb war meine Frage "Na, wie war es denn?" eigentlich auch nur eine Floskel, auf die ich allerhöchstens ein

" alles gut gelaufen " erwartet habe.

" Es lief alles super, hab aber eine Menge Geld ausgegeben, erklär ich dir später."

Irgendwie typisch, da gibt er eine Antwort mit der er gleich eine Menge Fragen aufwirft.

Meine Neugier war geweckt, mir war durchaus bewusst, dass er das so wollte, und er wollte mich zappeln lassen. Ich hatte überhaupt keine Idee, auch der Ausdruck eine Menge Geld war bei ihm in keiner Weise einzuordnen.

Ich musste mich bis zum Abend gedulden, bis sich die Gelegenheit ergab, das Thema wieder aufzugreifen.

" Was hast du dir denn gekauft? "

Ich erwartete schon, dass er für mich etwas gekauft hat, aber da sagte er mit einem verschmitzten Lächeln : " Weder für mich noch für meinen Schatz sondern für unseren kleinen Spatz habe ich etwas gekauft, bin gespannt, ob sich jemand darüber freut. "

Für Sissi, die hat doch alles und teuer war es auch noch?

" Ich habe mit Frau Daser telefoniert, sie hat einen kleinen Durbo aus einer ganz anderen Linie als Sissi, Durbo wird Sissis Mann. Frau Daser sagt, er wird ein toller Rüde, Sissi hat das verdient und du auch. "

Ich war total überrascht, natürlich habe ich mich gefreut, ob Sissi das gefallen würde, da war ich nicht so überzeugt.

Als ich die ersten Bilder von Durbo sah, mich am Telefon mit Frau Daser unterhielt, da wusste ich, dass es toll mit einer Tibbifamilie wird.

Im Juli hatte mein Mann Urlaub, die geplante Reise nach München nahmen wir zu dritt in Angriff, Sissi kam mit, klar,

Das Wiedersehen mit ihrem alten Rudel verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle, es war nett, aber für Sissi nicht besonders erwähnenswert. Skeptisch beobachtete sie die ganze Zeit ihr Frauchen, die viel zuviel Interesse einem kleinen Wollknäuel entgegenbrachte: Sissi war total eifersüchtig.

Als wir nach einem sehr interessanten Tag bei Frau Daser uns auf den Heimweg machten und auch den kleinen Durbo mit ins Auto nahmen, da war Sissis Welt völlig ins Wanken geraten. Sie war der Liebling, was wollte Frauchen mit dem Welpen?

Sissi würdigte Durbo keines Blickes, demonstrativ schaute sie die ganze Zeit aus dem Fenster. Sobald Durbo sie nur leicht berührte, gab sie ihm zu verstehen: Bleib mir vom Fell. Sie wollte nicht wie sonst immer auf meinen Schoß, der kleine Durbo sollte den Platz allerdings auch nicht einnehmen.

Zu hause setzte sich das Ganze zunächst einmal so fort. Egal, was Durbo machte, es war immer falsch. Ansonsten machte sie ihm immer wieder klar: Du bist Luft für mich.

Durbo ließ das alles relativ unberührt, er schien das alles gar nicht so wahrzunehmen, er versuchte es immer wieder, ihre Zuneigung zu gewinnen.

Er war ja ein Welpe, wollte spielen, wollte toben und Sissi war ja nicht böse, sie war nur eingeschnappt.

Tage vergingen, Wochen verliefen und Sissi begann zu begreifen, dass der kleine Rüde, der sich stets um ihre Nähe bemühte, nicht wieder gehen würde. Sie ließ ihn auf ihrer Couch näher heranrücken, sie begann ihn als Teil ihres Lebens zu akzeptieren.

Als sie dann bei einer kleineren Meinungsverschiedenheit zwischen Durbo und einer Katze der Katze durch entschiedenes Eingreifen mitteilte: Lass ihn, das ist mein Freund, und Durbo ihr erstmals ein Küsschen geben durfte, war das Eis gebrochen.

Von nun an machten sie viele Dinge gemeinsam, Sissi zeigte ihm so manchen Blödsinn, sie war clever genug, sich immer rechtzeitig aus dem Staub zu machen.

Sie erkannte, dass sie durch ihn nicht weniger Streicheleinheiten und Zuneigung bekam, ihr Leben war sicher anders, ihr Leben war scheinbar schöner.

Durbo wuchs heran, und in der Adventszeit wurde sein Interesse an seiner Sissi plötzlich auf eine ganz andere Ebene gehoben, die er sicher nicht verstand, aber die er sicher gut fand: Sissi wurde läufig.

Durbo war gerade 7 Monate alt und Sissi war auch noch keine 2 Jahre.

Eigentlich könnte da doch nichts passieren, doch die Natur findet ihren Weg.

Ich trennte also während dieser Zeit ganz konsequent die beiden Verliebten.

Meiner Familie gab ich deutlich zu verstehen, dass ich keinem einen Fehler in dieser Frage verzeihen würde und so schmunzelte ich manchmal, wenn mein Mann oder mein Sohn nach hartem Kampf erfolgreich das Ansinnen Durbos verhindert hatten, die Stube zu betreten.

Wenn er dann vor mir saß, konnte ich in seinen Augen lesen aber ich sagte ihm:

" Man kann nicht alles haben" oder etwa doch?

 

 

 

Die Natur findet ihren Weg ist sicher einer der bekanntesten Sprüche aus Jurassic Park, aber der Mensch glaubt immer wieder, dass er über den Dingen steht.

Meine Familie war richtig aufmerksam und nahm somit dem kleinen Durbo jegliche Illusion, die Erfüllung seiner Träume zu realisieren.

Durbo wartete geduldig auf seine Chance und unsere kleine Sissi war mittlerweile durchaus vom Werben des kleinen Charmeurs angetan.

Die Tage vergingen und die Zeit der Läufigkeit musste sich bald ihrem Ende zuneigen, das war wirklich beruhigend.

Doch dann geschah das Unfassbare. Die Adventszeit war gekommen, die Zeit der Besinnlichkeit und mit ihr natürlich auch die Zeit des besonders festlichen Essens.

Da sollte dann auch der entsprechende Rahmen stimmen, man isst also in der Stube, trinkt ein Gläschen Wein, erzählt miteinander, ist also in richtig guter Stimmung. Der Aufwand ist durch das Eindecken und das Abräumen etwas höher, aber das ist es sicher wert.

Ich habe an vieles gedacht, als ich mit dem Geschirr in den Händen die Tür zum Flur geöffnet habe, nur nicht an diesen kleinen Wildfang, der lauernd hinter der Tür im Flur saß.

Ich hätte nie gedacht, wie schnell dieses kleine Wollknäuel sich bewegen kann, wenn es um das Ausleben seiner Urinstinkte geht. Es sind nur wenige Meter bis zum Küchentisch, ich beeilte mich, stellte die Sachen ab und lief schimpfend in die Stube zurück. "Durbo, Sissi, verdammt", keiner meiner beiden Hunde hatte auch nur ansatzweise Verständnis für meinen Ausbruch. In Sekunden war das passiert, was wir tagelang mühevoll zu verhindern wussten.

Die beiden hingen zusammen, ich war so sauer, die eingetretene Situation unerträglich. "Was machen wir denn nun", fragte ich meinen Mann.

Mit seiner Antwort " einfach warten, die lösen sich wieder von allein" machte er mich nur noch wütender, ich hatte echt keinen Sinn für seinen Humor.

Ich war so sauer auf meine beiden, aber erstmal hatte ich Sorge, dass sie sich durch unkontrollierte Bewegungen weh tun oder gar verletzen könnten.

Also beruhigte ich sie, aber durch meinen Kopf gingen mir die wildesten Schimpfwörter, die ich ihnen sagen würde, wenn sie erstmal alles überstanden haben.

Endlich war es soweit, doch mit dem Schimpfen wurde es nichts. Sissi rannte vergnügt durch die Stuben, sprang auf die Couch, wälzte sich vergnügt hin und her, als wollte sie mir sagen: " Frauchen, nicht schimpfen, es geht mir so richtig gut, du kannst das doch sicher verstehen"

Die Wut war zwar noch nicht verflogen, aber ich konnte den beiden nicht ernsthaft böse sein. Ich streichelte sie, Durbo musste von nun an die nächsten Tage im Exil in der Badestube verbringen und ich beruhigte mich mit dem Pflänzchen Hoffnung: "Es war für beide das erste Mal, es wird schon nichts passiert sein"

 "Ein Glück, dass das keinem von uns passiert ist" bemerkte mein Mann mit einem verschmitzten Lächeln. Ich hasse solche Sprüche, besonders dann, wenn er recht hat. Wie konnte gerade mir so etwas passieren?

Ich beobachtete meine Sissi in den folgenden Tagen besonders intensiv, suchte nach Veränderungen im Verhalten, stellte mir immer wieder die Frage:

Was machen wir, wenn sie doch tragend ist?

Das alles war doch ziemlich belastend, ich brauchte einfach nur die Gewissheit, und so stellte ich Sissi bei unserem Tierarzt vor.

" Ihre Hündin ist richtig schön tragend, ich ertaste 3 Welpen", diese Worte des Tierarztes hätte ich echt nicht gebraucht.

"Was machen wir denn nun?" fragte ich meinen Mann, "Sissi ist noch keine 2 Jahre alt, wenn sie das alles nicht schafft, ich will das nicht".

" Sissi ist stark, sie wird im Juni 2 Jahre alt, sie wird das alles mit unserer Hilfe schaffen. Mach dir keine Sorgen. Wir werden die 3 Welpen aufziehen und werden für sie ein schönes zu hause suchen."

Für ihn war das alles so einfach, mach dir keine Sorgen, wie sollte das gehen?

Die Tage vergingen, mittlerweile war es durchaus sichtbar, dass unsere Prinzessin bald Mutter werden würde.

Ich bereitete alles vor, machte mir Gedanken über all die Dinge, die bei so einer Geburt schief gehen könnten. Endlich war es so weit, die Zeit des ewigen Wartens vorbei, Sissi bereitete sich auf den Wurf vor. Sie suchte sich ein Plätzchen, sie suchte meine Nähe. Sie war bei allem ruhig und gelassen, ich war das totale Gegenteil. Ich war froh, als mein Mann von der Arbeit kam, und es noch nicht begonnen hatte. Seine Anwesenheit beruhigte mich doch ein wenig.

Dann kam der erste Welpe auf die Welt, Sissi machte alles ganz toll und ich spürte, wie sehr sie meine Anwesenheit genoss.

Im Nachhinein glaube ich, dass ich anschließend viel mehr geschafft war als sie.

Unser Tierarzt muss beim Abtasten nur die Rüden gespürt haben, es waren 3, doch dazu kamen auch noch 3 wunderbare Mädchen.

6 Welpen zu vermitteln in Familien, in denen man sich des Wertes dieser wundervollen Geschöpfe bewusst wird, das bereitete mir schon Kopfzerbrechen.

Aber die Welpen waren da, sie waren gesund, Sissi ging es gut, sie hatte alles richtig gemacht.

Man kann nicht alles haben, aber dieses schöne Bild unserer Sissi, die sich liebevoll um ihre kleinen Welpen kümmerte, das war für mich nach den vergangenen schweren Wochen mehr als genug.